Zucht Genetik
Erbgänge verstehen: was der Morph-Rechner wirklich ausrechnet
Rezessiv, dominant, intermediär — und warum bei mehreren Merkmalen multipliziert wird.
Vor jeder Verpaarung steht dieselbe Frage: Was kann dabei herauskommen? Die Antwort folgt den Mendelschen Regeln, und die sind für ein einzelnes Merkmal überschaubar. Wichtig ist vor allem, den richtigen Erbgang zu wählen.
Die drei Erbgänge
Rezessiv. Nur reinerbige Tiere zeigen das Merkmal sichtbar. Mischerbige tragen es unsichtbar weiter — das sind die berühmten „het“-Tiere. Zwei het-Tiere verpaart ergeben rechnerisch ein Viertel sichtbare, die Hälfte het-Träger und ein Viertel ohne das Gen.
Dominant. Ein Genexemplar genügt, damit das Merkmal sichtbar wird. Reinerbige Tiere sehen dabei gleich aus wie mischerbige — am Aussehen allein lassen sich die beiden also nicht unterscheiden.
Intermediär (oft „co-dominant“ genannt). Ein Genexemplar zeigt das Merkmal, zwei ergeben eine eigene, deutlich abweichende „Super“-Form. Genau deshalb ist dieser Erbgang in der Zucht so beliebt: Man sieht dem Tier an, was es trägt.
Warum immer nur ein Merkmal
Der Rechner behandelt bewusst ein Merkmal pro Durchgang. Für Kombinationen rechnest du jedes einzeln und multiplizierst die Wahrscheinlichkeiten: 25 % für das eine und 50 % für das andere ergeben 12,5 % für beide zusammen. Das setzt voraus, dass die Merkmale unabhängig voneinander vererbt werden — bei eng gekoppelten Genen stimmt die Rechnung nicht mehr.
Nicht abgedeckt sind geschlechtsgebundene Merkmale. Sie folgen einem eigenen Muster, weil das Gen auf einem Geschlechtschromosom liegt.
Wahrscheinlichkeit ist keine Garantie
Der wichtigste Satz zum Schluss: Prozentwerte gelten über viele Nachkommen, nicht innerhalb eines Geleges. 25 % bedeuten nicht, dass von acht Schlüpflingen genau zwei das Merkmal zeigen. Ein Gelege kann deutlich abweichen — beides ist mit derselben Rechnung vereinbar.
Wer sicher gehen will, kommt um Rückverpaarungen oder einen Gentest nicht herum. Der Rechner ersetzt die Planung nicht, er nimmt ihr nur das Kopfrechnen ab.